Evangelische Kirchengemeinde Menden


Wort zum Sonntag


Kerstin Scheppmann, Berufsschulpfarrerin
Liebe Leser*innen,

mit der Frage: „Wer bist du, dass du deine Nächsten verurteilst?“ rufen Kirchen weltweit dazu auf, sich gegen Diskriminierung dafür einzusetzen, dass alle Menschen würdig und mit gleichen Rechten leben können.
Vielfältig begegnen mir Menschen unterschiedlicher Hautfarben mit vielen verschiedenen Herkunftssprachen und ganz individuell gekleidet z. B. beim Eis essen in der Fußgängerzone, beim Einkaufen, bei der Arbeit. Während ich mich umsehe, bemerke ich, dass ich mich manchmal selbst dabei erwische, mit Bewertungen unterwegs zu sein. Ich schaue und denke über jemanden, der mir entgegen kommt: Oh, wie dick! Das geht ja gar nicht. - Nein, was ich da gerade denke, geht wirklich gar nicht, sage ich dann manchmal zu mir selbst.
Zu dick, zu nackt, zu dunkel, zu viele Kinder…..Wenn man will, findet man immer was auszusetzen an den Nächsten, die einem begegnen.
Im Religionskurs sprechen wir während des Antirassismus-Projektes darüber, wie wir uns in unserem Alltag dafür einsetzen, dass Menschen in Ihren Rechten geachtet werden.  Beispiele von Diskriminierung, denen hier bei uns in Deutschland meistens People of Color ausgesetzt sind, fallen uns dabei leider viele ein: Das sind die abwertenden Blicke im Bus, die Zurückweisung an der Clubtür, der mit zweierlei Maß messende Ausbilder.  Vermeintliche Komplimente wie „Du sprichst aber gut Deutsch!" oder lobend gemeinte Verallgemeinerungen wie „Syrische Schülerinnen sind immer so fleißig!" sind weitere Beispiele für Alltagsrassismus. 

Wichtig ist uns, wie wir uns dagegen wirksam einsetzen.
Julia erzählt z.B. vom Sportunterricht in ihrer ehemaligen Schule, darüber, wie es unangenehm es ihr gewesen ist, aufgrund von „Zu dick!“ oder „Zu unsportlich!“ als  letzte in eine Mannschaft gewählt zu werden. 
Und wie ärgerlich es war, zu merken: Einige im Team wollen einen nicht haben.  Stärkend ist es, sich in dieser Situation nicht als ausgeliefert zu erleben, sondern zu protestieren und zu merken: “Mein Protest bewirkt etwas. Er macht die anderen teamfähiger.“

Wir sprechen über das Sozial-Media-Video einer 16jährigen Deutschen türkischer Herkunft aus Hamburg. Im Supermarkt als Aushilfe angenommen, wird sie dann aber von einem Filialleiter wegen Ihres Kopftuches schlecht behandelt und weggeschickt. Als die 16Jährige ihre Geschichte in dem sozialen Netzwerk erzählt, bekommt sie große Unterstützung von anderen. Offizielle Vertreter des Supermarktes entschuldigen sich bei ihr und entschädigen sie.  
Liebe Leser*innen,  
Es ist hilft, genau hinzusehen und die eigene Meinung zu überprüfen, sich einzusetzen für die eigenen Rechte und die Rechte der anderen. Es ist tut gut, andere spüren zu lassen, wie einzigartig und kostbar jede und jeder ist. 
Der Segen Gottes, der uns wunderbar und einzigartig geschaffen hat, begleite uns!

Ihre Kerstin Scheppmann, Berufsschulpfarrerin.


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