Evangelische Kirchengemeinde Menden


Wort zum Sonntag


Bärbel Vane Prädikantin
in der Evangelischen Kirchengemeinde Menden
Erntedank oder doch lieber Thanksgiving?

Liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich mag ich ja keine Anglizismen in der Alltagssprache aber bei Thanksgiving mache ich gerne eine Ausnahme.
Morgen feiern wir ja wieder Erntedank.
Aber geht es an diesem einen besonderen Sonntag wirklich nur darum Gott für die Ernte zu danken?
Ich denke nicht, das wäre zu kurz gedacht.
Ich finde, dass der englische Begriff Thanksgiving =Dank geben, es besser umschreibt.

Wir sollen Gott danken und dieser Dank soll sich nicht nur auf einen saisonalen Zeitraum oder
einen Sonntag beschränken, denn ER wünscht sich von uns, dass wir unseren Dank auch in den  restlichen 364 Tage nicht vergessen.
IHM zu danken für das, was uns das Leben so übers Jahr schenkt.

Danken für Geschenke des Alltags, die wir uns bei IHM nicht verdienen müssen und auch nicht verdienen können, weil ER uns immer bedingungslos liebt.
Für das zu danken, was wir sind und was wir haben und dass wir es nicht als selbstverständlich erachten.

Danken kann oft so einfach sein, aber wenn es mit dem Danken über die Höflichkeitsformeln  hinaus geht, wenn es wirklich um Gott sei Dank geht, besonders in schweren Zeiten, dann habe ich manchmal so meine Probleme mit dem Danken.
Es fällt mir schwer ein Geschenk anzunehmen und zu danken, weil ich fest davon überzeugt bin, dass ich etwas besseres verdient hätte…

Ich habe viele Jahre und Gebete gebraucht bis ich soweit war, dass ich mich am Ende eines Tages auch für die schlechten und ungerechten Situationen bedanken konnte, die der Tag so mit sich gebracht hatte.
Und ich habe gespürt, dass dieser besondere Dank, der mir so schwer über die Lippen ging, mir einen großen Teil meiner Wut und Verletztheit nahm und ich dann doch relativ zufrieden auf den Tag zurückblicken konnte und dass ich mich auf den nächsten Tag freuen konnte.
Liebe Leserinnen und Leser,
danken erzeugt Zufriedenheit, so einfach aber auch so kompliziert kann es manchmal sein.
Und so wünsche ich Ihnen morgen einen zufriedenen Thanksgiving Tag, wo immer Sie ihn auch verleben werden.
Und seien Sie dankbar:
wenn Sie Steuern zahlen müssen, denn es bedeutet, dass Sie Arbeit haben,
wenn  Ihnen die Kleidung zu eng geworden ist, denn es bedeutet, dass Sie mehr als genug
zu essen haben,
wenn Sie sich mit pubertären Jugendlichen herumärgern müssen, denn es bedeutet, dass Sie eine ganz normale Familie sind.
Seien Sie dankbar, dass Sie jeden Morgen aufwachen, denn es bedeutet, dass Sie am Leben sind.

 

Herzlichst Ihre Bärbel Vane
Prädikantin in der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


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